Das Landgericht München I hat den 42-jährigen Carsten M. wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs zu neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
Das teilte das Oberlandesgericht München am Mittwoch mit. Die 9. Große Strafkammer sprach ihn in vier Fällen des vollendeten und in 16 Fällen des versuchten Betrugs schuldig, jeweils in Tateinheit mit Amtsanmaßung.
Der Angeklagte hat nach Überzeugung des Gerichts von der Türkei und dem Libanon aus in 20 Fällen ältere Menschen angerufen und sich als Polizeibeamter ausgegeben. Mit Lügengeschichten brachte er die Geschädigten dazu, Bargeld und Schmuck an vermeintliche Polizisten zu übergeben.
Seine Tatbeiträge seien deutlich gewichtiger gewesen als die der sogenannten Abholer, sagte der Vorsitzende Richter Christian Daimer. Der Angeklagte sei in wechselnden Funktionen in Call-Centern tätig gewesen und habe ein umfassendes Geständnis abgelegt.
Bei der Strafzumessung standen generalpräventive Erwägungen im Vordergrund. Das Gericht betonte, man müsse angesichts der Verwerflichkeit der Taten ein deutliches Signal setzen.
Die Taten zu Lasten älterer Menschen hinterließen erhebliche, nicht nur materielle Verletzungen und beeinträchtigten das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Polizei. Zahlreiche Vorstrafen des Angeklagten wirkten sich straferschwerend aus, sein umfassendes Geständnis strafmildernd. Bei der Anrechnung der Auslandshaft berücksichtigte die Kammer, dass die Zustände im libanesischen Gefängnis entsetzlich gewesen seien; der Angeklagte habe dort körperliche Schäden erlitten.
Die Haftzeit rechnete sie im Verhältnis von 1 zu 2,5 an.
Das Gericht ordnete zudem die Einziehung von 3.100 Euro an, die der Angeklagte tatsächlich erhalten hatte, sowie die Fortdauer der Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München I hatte elf Jahre und fünf Monate gefordert. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Der Angeklagte hat auf Rechtsmittel verzichtet. Die Staatsanwaltschaft kann binnen einer Woche Revision zum Bundesgerichtshof einlegen. Meldung der dts Nachrichtenagentur vom 02.09.2026 Zur Startseite